"Hey Jude" ist einer der einprägsamsten Klassiker, den McCartney je geschrieben hat, und es ist gleichzeitig ziemlich kommerziell und strukturell gewagt, sogar Barrieren brechend.

Die Geburt von "Hey Jude", thematisch und strukturell, kommt von unterschiedlichen Einflüssen und Geschichten aus Pauls Privatleben. Es ist der längste Song, den Paul McCartney je geschrieben hat und die Idee kam von seinen fruchtbaren Musikdiskussionen mit John, in denen es um die neuen, aufkommenden Platten des Augenblicks ging. Ein Beispiel ist Bob Dylans ‘Like A Rolling Stone’", welches mit seiner 6:09 minütigen genialen Komposition McCartneys Kreativität anregte:

«Wir haben einander gegenseitig beeinflusst. Er würde ein langes Lied herausbringen, also wussten wir, dass es in Ordnung wäre, "Hey Jude" lang zu machen. "Was meinst du denn, Mann? ‘Like a Rolling Stone’ ist sechs Minuten dreissig. Wieso können wir nicht eines haben, das sieben Minuten lang ist?" Man hat angefangen Grenzen zu überschreiten, vorhandene Werte zu hinterfragen.» – Du Noyer, Paul. Conversations with McCartney, Hodder & Stoughton.

Seine früheren Werte wurde von ‘’Like a Rolling Stone’’" gebrochen. Jetzt verspürte McCartney den Wunsch und das Bedürfnis seine musikalischen Fähigkeiten herauszufordern

«Wie "Hey Jude". Sie werden sagen, "Es ist Unsinn, sieben Minuten, nur ‘Na na na nanana naa’ am Schluss. Es ist offensichtlich Quatsch." Und man meint, "Nein, es ist ziemlich gut. Es ist lang, das gebe ich zu, aber es ist irgendwie interessant."» – Du Noyer, Paul. Conversations with McCartney, Hodder & Stoughton.

Die Barriere, welche gebrochen wurde, war die, welche Popsingles auf eine Länge von zwei oder drei und sicherlich nicht mehr als fünf Minuten beschränkte:“Hey Jude” war etwas über sieben Minuten lang. Es ist nicht wirklich das typische Liebeslied, sondern ein Lied von Trost, Mitgefühl und Ermutigung und es wurde um die Zeit herum geschrieben, in der McCartneys Verlobung mit Jane Asher endete und kurz bevor seine Beziehung mit Linda Eastman seriös wurde.

Was einfach nur eine weitere grossartige Beatles Ballade hätte werden können, wurde am Ende des letzten Verses zu etwas ganz Besonderem, als der Gesang das letzte Wort in aufsteigenden Tönen unvorhersehbar wiederholt und mit einem vollen Jubelschrei endet. Dies ist das Signal für den längste Fadeout der Beatles aller Zeiten, welcher ungefähr vier Minuten dauert und nur aus wiederholten, harmonisierten "na na na"-Refrains besteht. Was ganz einfach hätte langweilig sein können, ist stattdessen hypnotisierend, weil McCartney den Gesang mit einigen der besten Skatings variiert, die jemals in der Rockmusik zu hören waren. Die Endmelodie, die ausführlich wiederholt wurde, war kein Songfragment, das hinzugefügt wurde, sondern ein wichtiger Bestandteil des Songs.

«Der Refrain am Schluss ... war nicht so lange geplant für das Ende, aber ich hatte so viel Spass daran, über das Ende hinweg zu improvisieren, als wir den Originaltrack ablegten, dass ich für eine lange Zeit weitermachte. Also haben wir es mit dem Orchester ausgebaut.» – Norman Philip, Paul McCartney: The Biography.

In 1980, in einem seiner letzten Interviews, lobte John den Text des Liedes und sagte, dass er nicht dazu beigetragen hat. Mal Evans hingegen meinte in 1968, dass dieses Lied eine Zusammenarbeit war:

«"Hey Jude" ist eine neuere Nummer (als "Revolution", welche in Indien geschrieben wurde), die auf einer von Pauls Ideen basiert, aber mit viel gemeinsamer Anstrengung von John und Paul bearbeitet wurde, bevor sie in die Aufnahmestudios gelangte… Am Freitag, dem 26. Juli, verbrachten John und Paul den grössten Teil des Tages in Pauls Haus und gaben ihrer letzten Komposition "Hey Jude" den letzten Schliff.» – – Compton, Todd M.. Who Wrote the Beatle Songs?: A History of Lennon-McCartney.

Das Proben und Aufnehmen des Liedes in Abbey Road war überhaupt nicht einfach, da es bei Paul und George zu Meinungsverschiedenheiten führte. Am 31. Juli 1968, während ‘Hey Jude’ aufgenommen wurde, lehnte Paul Georges Idee ab, nach jeder Zeile des Textes eine Gitarrenphrase einzubauen, welche als Echo des Textes dienen sollte. Eine auftauchende Ursache für Spannungen schienen ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen zu sein. Paul mag es, ein ganzes Lied locker zu arrangieren und später an "Details" zu arbeiten. George zog es vor, sofort an diesen Details zu arbeiten:

«Ich hatte die Idee es ganz einfach zu machen und gegen Schluss aufzubauen. Deshalb wollte ich "Hey Jude, don’t make it bad, duh-duh-duh". Ganz einfach eben. George, als wir es geprobt haben, spielte: "Hey Jude, [grosses Gitarrenriff] dang-diddle-da-da, don’t make it bad,’ dang-diddle-da-da"... "George, tu uns einen Gefallen. Spiel das nicht. Wir machen später ein Solo rein oder so, aber antworte nicht auf jede Zeile. Das wird sehr schnell langweilig." "Okay. Dann mache ich es verdammt noch mal nicht." Es wurde dann plötzlich so.» – Norman Philip, Paul McCartney: The Biography.

In der Minute 2:58 drückt Paul die falsche Taste auf dem Klavier und flüstert: “F*cking Hell!”. (Verdammte Scheisse). John Lennon schlug vor, es im Lied zu behalten, was sie taten, aber es wurde geändert, indem die Stimme in ein niedrigeres Register geändert wurde.


Thematisch spiegelt dieses Lied die ineinander verschlungenen Geschichten von Paul, John, Johns erster Frau Cynthia, ihrem Sohn Julian und Johns zweiter Frau Yoko, wider. John hatte Yoko am 9. November 1966 getroffen und allmählich eine ernsthafte Beziehung zu ihr aufgebaut. John reiste von Februar bis April 1968 mit Cynthia nach Indien, schrieb aber Songs für Yoko, während er dort war. Er und Cynthia trennten sich ungefähr im Mai 1968. John verliess Kenwood und fing an mit Yoko zu leben. Es scheint, dass Paul nach dieser Trennung „Hey Jude“ geschrieben hat. Er war immer gut mit Cynthia befreundet gewesen und hatte Julian sehr gern, also fuhr er nach Kenwood, um sie zu besuchen.

«Ich bin zufällig rausgefahren, um Cynthia Lennon zu sehen. Ich glaube, es war kurz nachdem John und sie sich getrennt hatten, und ich war ziemlich gut mit Julian befreundet. Er ist ein netter Junge, Julian. Und ich ging in meinem Auto aus und sang dieses Lied vage vor mich hin und es war etwas wie "Hey Jules". Ich weiss nicht warum, "Hey Jules". Es war einfach dieses Ding, weisst du? "Don’t make it bad / take a sad song..." Und dann dachte ich, ein besserer Name wäre Jude.» – Paul, The rolling stone Interview, 1974.

Julian kann sich nicht an die Scheidung seiner Eltern erinnern, auch nicht an Paul McCartney, der bei dieser düsteren Angelegenheit „Hey Jude“ für ihn schrieb. McCartney sei der einzige Ex-Beatle, der über die Jahre in Kontakt mit ihm geblieben sei, meint er.

«Ich erinnere mich, wie ich als Kind auf dem Boden herumgerollt bin und mit Paul gerungen habe. Er schickt mir an meinem Geburtstag immer ein Telegramm, was sehr schön ist, und er hat mir vor ein paar Tagen eines zugesandt: "Viel Glück, alter Kumpel." "Es überrascht mich, wenn ich es höre.", sagt er. "Es ist seltsam zu glauben, dass jemand ein Lied über dich geschrieben hat. Es berührt mich immer noch."»  – The Rolling Stone magazine.

Die Notizen von den Aufnahmen von “Hey Jude” wurden von Julian in 1996 Julian an einer Auktion für £25’000 gekauft.

The handwritten lyrics of ‘Hey Jude’

In einem Videointerview mit dem GQ Magazin, welches letztes Jahr veröffentlicht wurde, diskutierte Paul die Ursprünge und Geschichten hinter den berühmtesten Liedern der Beatles. "Hey Jude" gestand er, hiess ursprünglich "Hey Jules" für John Lennons Sohn Julian. Später jedoch, entschied McCartney, dass er den Namen Jude bevorzugte.

«Ich habe nicht realisiert, dass es "jüdisch" bedeutete. Tatsächlich, geriet ich beinahe in Schwierigkeiten, weil wir es an einem Fester unseres Shops aufgemacht haben... so dass Menschen, die auf dem Bus vorbei gingen, es sehen würden.»1Gq Magazine

McCartney spricht von der Apple Boutique, ein kurzlebiges Geschäftsprojekt, dass die Beatles 1967 in London eröffneten. Aber eines Tages in 1968 sagte McCartney:

 «Ich bekam diesen wütenden Anruf von diesem Mann, Mr. Leon, der Jude war. Er sagte: "Was machst du? Wie kannst du es wagen?" ?" In Hitlers Tagen hiess es "Juden raus". Und ich habe es nicht verstanden.»

Paul gab zu, dass der Name des Songs einige Leute wütend gemacht hatte, als er veröffentlicht wurde, und er hatte keine Ahnung, dass jemand den inzwischen legendären Beatles-Song “Hey Jude” mit jüdischen Leuten in Verbindung bringen würde. Das war, bis er diesen sehr wütenden Anruf bekam. Der Mann, sagte McCartney, war sehr wütend und drohte, seinen Sohn vorbeizuschicken, "um dich zu verprügeln". Aber die Beatles-Legende versicherte ihm, dass "Nein, nein, nein, warte eine Minute, ich schwöre dir, es ist nichts dergleichen... beruhige dich, es hat nichts damit zu tun, du wirst es hören, wenn du die Platte hörst. Es ist nur ein Name in einem Lied." McCartney sagte dies, während er Mr. Leon beruhigte. "Plötzlich wurde ich auf die Tatsache aufmerksam, dass es ihm wohl eine Menge Probleme bereitet hatte, weil seine Familie diese Erfahrung wahrscheinlich gemacht haben wird. "

Laut mehreren Büchern über die Geschichte der Beatles waren viele andere in der jüdischen Gemeinde Londons mit den Worten "Hey Jude" in der Apple Boutique unzufrieden. Abgesehen von der Kontroverse sprach John Lennon in 1980 über dieses Lied, welches sich auf seinen Sohn Julian bezog, und gestand, dass er es, obwohl das Lied für Julian geschrieben war, immer als ein Lied für sich selbst empfand:

«Er sagte, es sei über Julian, mein Kind, geschrieben. Er wusste, dass ich mich von Cyn trennte und Julian verliess. Er fuhr rüber, um Hallo zu Julian zu sagen. Er war für ihn wie ein Onkel. Weisst du, Paul war immer gut mit Kindern. Und so kam er auf Hey Jude. Aber ich habe es immer als Lied für mich gehört. Wenn du darüber nachdenkst ... Yoko ist gerade erst aufgetaucht. Er sagt: "Hey Jude - hey, John." Ich weiß, ich höre mich an, wie einer dieser Fans, die Dinge hineinlesen, aber du kannst es als Lied für mich hören. Die Worte "Go out and get her" (Geh raus und hol sie dir) - unbewusst sagte er: "Tu es, verlass mich." Bewusst wollte er nicht, dass ich gehe. Der Engel in ihm sagte: "Alles Gute." Der Teufel in ihm mochte es überhaupt nicht, weil er seinen Partner nicht verlieren wollte. " – John Lennon, All we are saying by David Sheff.

Johns Enthüllung öffnete eine Pandorabox und enthüllte neue interessante Interpretationen des Liedes. Als Paul John dieses Lied zum ersten Mal vorspielte, nahm er es sehr persönlich und gestand unmittelbar nach der Veröffentlichung des Liedes im Jahr 1968, lange vor seinem letzten Interview, dass das Lied für ihn geschrieben worden war.

Paul McCartney during the recording of ‘Hey Jude.

Oh, ja. Als Paul zum ersten Mal "Hey Jude" für mich gesungen hat – oder mir die kleine Bandaufnahme vorspielte, welche er davon gemacht hatte – habe ich es sehr persönlich genommen. "Ah, das bin ich", sagte ich. Das bin ich. Er meinte: "Nein, das bin ich."» – John, The Rolling Stone interview, 1968.

Für Adam Thomas, ein Biograph der Beatles, sei der Song tatsächlich nur «angeblich» für Julian geschrieben worden, aber die Texte wiesen deutlich auf John hin:

"Obwohl es anscheinend für Johns Sohn Julian geschrieben wurde, ermutigen die Texte von Pauls Lied "Hey Jude" von 1968 jemanden, es zu versuchen und mit der Frau zusammen zu sein, auf die er so lange gewartet hat. John hatte das Gefühl, dass Paul ihm mit diesem Gefühl unbewusst sagte, dass es in Ordnung sei, Paul zu verlassen und mit Yoko zusammen zu sein. John sagte: "Bewusst wollte er nicht, dass ich weitermache. Der Engel in ihm sagte „Alles Gute“. Der Teufel in ihm mochte es überhaupt nicht, weil er seinen Partner nicht verlieren wollte. In "Glass Onion" beschreiben Johns Texte sein starkes Gefühl der Zuneigung zu "the walrus" (dem Walross), bevor er enthüllt, dass er tatsächlich über seine Hingabe zu Paul spricht." — Lennon vs. McCartney by Adam Thomas

Für Adam Thomas war dieser Song Johns Antwort auf Pauls Gefühle in "Hey Jude". McCartney sagte, dass John zum Text beigetragen hat, indem er ihn vom Abändern der Zeile "The movement you need is on your shoulder" (Der Antrieb, den du brauchst, ist auf deiner Schulter) abhielt, als er den Song für John und Yoko spielte.

«Ich habe mich zu John umgedreht und sagte: "Ich verbessere das noch, wenn du das möchtest." Und er sagte: "Das wirst du nicht. Das ist eine verdammt gute Zeile. Das ist die beste Zeile."»

Also blieb es. In den kommenden Jahren wird ihm die Erinnerung an diesen Moment immer wieder die Kehle zuschnüren, wenn er es allein vor Meeren von entzückenden Gesichtern spielte.

«Das sind also die kleinen Momente, auf die ich mich beziehe und denke: "Ist es eine dieser Zeilen oder ist es Müll?" Aber wir beide hatten diese ironische Eigenschaft im Charakter, die wir in die Dinge des jeweils anderen einbringen konnten. Ich schrieb: "It’s getting better all the time" (Es wird immer besser), und er fügt an: "Couldn’t get much worse" (Könnte nicht viel schlimmer werden). Und deswegen geht das Lied weiter. Aber eigentlich war er ein sehr herzlicher Typ, John. Sein Ruf, wegen solcher Dinge, ist ein bisschen in die andere Richtung gegangen.»  – Gq Magazine.

‘Hey Jude’ wurde mit Johns ‘Revolution’ " gepaart und aus pragmatisch kommerziellen Gründen als A-Seite vermarktet, nicht zuletzt wegen seiner grösseren Akzeptanz in Amerika, wo eine echte Revolution sehr nahe zu sein schien.

Paul hat angegeben, dass das Lied für Julian geschrieben wurde, aber die Texte erzählen eine andere Geschichte. Sie ermutigen jemanden "anzufangen, es besser zu machen" und "du hast sie gefunden, jetzt geh und hol sie dir" weil er er "auf jemanden wartet, mit dem er auftreten kann."

Der Beatles-Kritiker erörtert die autobiographische Natur von McCartneys Songtext in seinem Buch «Tell me Why»:Tell Me Why’: 

«"Hey Jude" begann als improvisiertes Ermutigungslied für Julian Lennon, Johns Sohn mit Cynthia, als Paul eines Tages zu ihm fuhr, um ihn zu besuchen. Die Lennons liessen sich scheiden und Pauls Mitleid richtete sich gegen das Kind, welches zwischen den Fronten gefangen war.» – “Tell me Why”, Tim Riley.

Für Miles Raymer, in “How to Analyze the Music of Paul McCartney” analysiert dieser Ansatz zwar immer noch die biografische Natur von McCartneys Texten, ist aber nicht spezifisch auf sein romantisches Leben gerichtet. Für Raymer entwickelten sich McCartneys Songs während seiner Zeit bei den Beatles aus bestimmten Ereignissen, die sich in seinem Leben ereigneten. Das besondere Ereignis in diesem Fall war Johns Scheidung von Cynthia, was Paul anscheinend so schockierte, dass er ein Lied darüber und über ihren Sohn Julian schrieb. Es sei denn, Paul war tief in seinem Inneren nicht nur besorgt über Johns bevorstehende Scheidung mit seiner langjährigen Frau aus Liverpool, aber auch über seine neue Partnerschaft mit Yoko, sowohl romantisch als auch musikalisch.

Als Paul John und Yoko das Lied zum ersten Mal vorspielte, nannte John es „eines seiner Meisterwerke“.John war überzeugt, dass der Song für ihn geschrieben wurde, als subtile Ermutigung, die Band und seinen Songwriting-Partner zu verlassen und sein neues Leben mit Yoko zu führen. Im Gegensatz dazu, erklärte Paul, dass er es tatsächlich über sich selbst geschrieben habe. Aber es spielte keine Rolle: John hatte immer das Gefühl, dass dieses Lied nicht wirklich von Julian handelte, sondern von ihm. Was als Trost für Lennons Sohn Julian während der Scheidung von John und Cynthia begann, hat sich als eines der besten Liebeslieder der Beatles, geschrieben für John, bewährt. Als sich die Beatles ihrem Ende näherten, wurden die Songreferenzen zunehmend düsterer, denn wenn es sich bei dem Song wirklich um Julian handelt, dann passen die Texte nicht zu Pauls Aussage.

Hey, Jude, don’t make it bad (Hey Jude, mach’s nicht so schlecht)

Take a sad song and make it better (Nimm ein trauriges Lied und dann mach’s besser)

Remember to let her into your heart (Denk daran, sie in dein Herz zu lassen)

Then you can start to make it better (Dann kannst du anfangen es besser zu machen) 

Diese Zeilen funktionieren für ein Kind, welches gerade erfahren hat, dass seine Eltern sich scheiden lassen, genauso wie dieser Teil:

And anytime you feel the pain, hey Jude, refrain (Und jedes Mal, wenn du den Schmerz spürst, hey Jude, lass es sein)

Don’t carry the world upon your shoulders (Trag’ die Welt nicht auf deinen Schultern)

For well you know that it’s a fool who plays it cool (Du weisst ganz genau, dass nur ein Narr sich kühl gibt)

By making his world a little colder (indem er seine Welt etwas kälter macht)

Später jedoch werden die Dinge etwas komplexer zum Entschlüsseln, wenn wir annehmen, dass Paul über Julian spricht, weil:

Hey Jude, don’t let me down (Hey Jude, enttäusch mich nicht)

You have found her, now go and get her (Du hast sie gefunden, nun geh’ und hol sie dir) 

Remember to let her into your heart (Denk daran, sie in dein Herz zu lassen)

Then you can start to make it better (Dann kannst du anfangen es besser zu machen)

“Du hast sie gefunden, nun geh und hol sie dir.” Wenn sollte Julian gefunden haben? Niemand, weil Paul hier über John spricht, ihn ermutiget, unbewusst oder nicht, zu «gehen und sie zu holen».

So, let it out and let it in, hey Jude, begin (Also lass es raus und lass es rein)

You’re waiting for someone to perform with (Du wartest auf jemanden, mit dem du auftreten kannst) 

Dieselbe komplexe Interpretation für diese Zeilen: Es ist schwer zu glauben, dass Julian, ein fünfjähriger Junge, auf jemanden wartete, mit dem er auftreten konnte. Was als Lied für ein kleines Kind begann, wurde bald zu einem Lied für John, denn es war Lennon, der Ende 1967 einen anderen Künstler fand, der Paul ersetzen könnte und mit dem er auftreten konnte. Wenn die ursprüngliche Idee von Paul war, ein Lied für Julian zu schreiben, sprach er unbewusst zu John.

Es war das Jahr 1968, Yoko hatte gerade Abbey Road betreten. Sie kam jeden Tag in die Studios, liess John kein einziges Mal allein und nahm langsam Pauls Platz in Johns Leben ein. Als John einen Platz zum Leben mit Yoko brauchte, öffnete Paul die Türen zu Cavendish und lud sie ein, direkt einzuziehen. Es wäre wie in alten Zeiten, nicht wahr? So war es aber nicht, denn John war so von Yoko eingenommen, dass ihre Freundschaft begann zu zerfallen, wegen Johns neuem Leben und neuen Ideen, die er jetzt mit Yoko teilte und nicht mehr mit Paul.

Und während Paul aufrichtiges Mitleid für Cynthia empfand, war es doch der grössere Schmerz zu realisieren, dass jemand anderes in ersetzte, dass die musikalische Ehe zu Ende ging.

1968 enthüllte die Gruppe ‘Hey Jude’ einem grossen Studiopublikum mit einer Weltpremiere für David Frosts Programm. Laut Philip Norman war Yoko für die Übertragung des Songs, zur spürbaren allgemeinen Erleichterung, nirgends in Sicht und sogar John verhielt sich untypisch unauffällig.2Philip Norman “Paul McCartney: The Biography”.

Obwohl bereits aufgenommen, war es immer noch das erste öffentliche Konzert der Beatles seit 1966 und zog als solches eine kolossale Zuschauerzahl an.

Pauls Nahaufnahme am Klavier in rotem Samt enthüllte ein angebliches Entschuldigungslied für seine langjährige enge Freundin Cynthia und ihr Baby Julian. Doch hinter den herzzerreissenden braunen Augen über dem Mikrofon machte sich Paul mehr denn je Sorgen um die verschwommene, ungewisse Zukunft, die sich abzeichnete, als er zum ersten Mal bemerkte, dass Yoko auch ihn ersetzte. Eine weitere Scheidung stand vor der Tür: seine Beziehung zu John. Versteckt durch die ersten Zeilen für Julian und ausgeführt mit der Singalong-Kraft dieser vier Minuten langen „Na-Na-Na-Nanana-Na“ Coda, befindet sich das Lied nun auf dem achtenth Platz der grössten Songs, die jemals geschrieben wurden. - Übersetzung von Regina3The Rolling Stone magazine.